Du sollst Vater und Mutter pflegen


Mit dieser Artikelüberschrift wartet das Handelsblatt heute auf.
Worum geht es? Nun ein Thema, dass ich schon seit längerem vertrete und aktiv anspreche: „Elternzeit“ ist nämlich nicht nur die Zeit, die Frau oder Mann für die Betreuung der eigenen Kinder braucht, sondern zunehmend auch zur Betreuung der eigenen Eltern. Die Bundesregierung hat durch die Gesetzgebung rund um die Pflege in der Familie bereits vor zwei Jahren einen ersten gesetzlichen Rahmen geschaffen, doch regelt dieser primär die Rechte zur kompletten Abwesenheit. Was nun, wenn nur gelegentlich oder kurzfristig akut oder ein geringer, doch regelmässiger Zeitbedarf besteht? Die Flexibilität von Abläufen, Arbeitsorten und Vorgesetzen ist hier gefragt.

Angeführt wird dann das Beispiel der Commerzbank, die im Rahmen einer Vielzahl von unterstützen Initiativen das „Netzwerk Pflege“ bereits 2013 ins Leben gerufen hat. Seine Aufgabe: „Netzwerk Pflege … spricht Kolleginnen und Kollegen an, die eine Aufgabe in der häuslichen Betreuung oder bei der Pflege von Angehörigen haben. Es ist Anlaufstelle für neu von einer Pflegeaufgabe Betroffene und wirbt im Unternehmen für die Anliegen dieser Mitarbeiter (Enttabuisierung). Zu den Zielen gehören der Austausch von Informationen und die Weitergabe von Erfahrungen (z. B. über Einrichtungen, Ärzte oder den Umgang mit Belastungen in der Familie).“ (aus dem Comerzbank-Blog)
Bei der Commerzbank beträgt das Durchschnittsalter der Mitarbeiter 42 Jahre. Mitarbeiter aus den geburtenstarken Jahrgängen der 1960er-Jahre kommen jetzt in das Alter, in dem sie nicht mehr Kindergartenplätze brauchen, sondern kurzfristig Zeit für die Pflege ihrer betagten Eltern. Bisher wurde das Organisieren dieser meist überraschenden Ausnahmesituation oft als Privatproblem des Mitarbeiters behandelt. Doch Arbeitgeber können durch spezielle Angebote bei ihren Mitarbeitern und generell in Sachen Attraktivität als Arbeitgeber punkten. Gab es 2011 nur 90 Angestellte, die einen entsprechenden Bedarf hatten, stieg die Zahl  im Jahr 2013 auf 190 und 250 in 2014.

Als eines von einigen weiteren Beispielen wird dann noch B. Braun Melsungen genannt, das Unternehmen hat sich vor allem mit den finanziellen Folgen für die eigenen Mitarbeitern beschäftigt. Unbezahlter Urlaub oder eine Reduktion der Arbeitszeit kann je nach Dauer des Bedarfs Familien um ihre gewohntenwirtschaftliche Stabilität bringen. Diese Gehaltseinbußen während der Pflegeteilzeit werden dort wie folgt gehandhabt: Wer aufgrund der Pflege von schwerkranken Angehörigen nur noch Teilzeit arbeitet, erhält einen finanziellen Ausgleich. Das Unternehmen vergütet die Arbeitszeit mit einem Zuschlag von 15 Prozent (übrigens genauso bei Kindererziehungs-Auszeiten). „Eine Unterbrechung für längere Zeit kann den Betroffenen in einen finanziellen Engpass führen“, sagt der Personalleiter und erklärt: „Bei der Familienteilzeit verbleiben unsere Beschäftigten in ihren bisherigen Aufgabengebieten und bekommen rund 65 Prozent ihres alten Lohns, arbeiten aber nur 50 Prozent.“

Zwei sinnvolle Varianten, sicherlich, doch diese – wie auch die anderen Artikelbeispiele – stellen die Lösungen von Konzernen da, die so nur bedingt auf Familienunternehmen/KMUs übertragen werden können.

In der Kombination aus Eingehen auf Mitarbeiterbedürfnisse und Mitarbeiterbindung halte ich das Modell der Lebensarbeitszeit für sehr verfolgenswert, gepaart mit flexiblen Arbeitszeiten und möglichst geringer Präsenz-Kernarbeitszeit.

Hierzu noch die folgenden Denkanstösse:

  • Lebensarbeitszeit/ Zeitkonto – aus Sicht Mitarbeiter und Verantwortung Unternehmen heraus sollte dieser Wert im Unternehmen insolvenzfest/ klar als Vermögen Dritter behandelt und abgesichert werden. Hierzu bestehen z.B. Möglichkeit der Versicherung für alle Fälle in Form eines Avals/ einer Bankbürgschaft, was wohl die kapitalschonenste Variante sein dürfte. Thema Bilanz/ Jahresergebnis, Steuer und Rückstellung vorher mit dem Steuerberater klären.
  • Arbeitszeit je nach Tätigkeit und Branche – hier stellt sich die Frage nach Ersatz, Team, Dauer und Unternehmensgrösse. Einsatz von Zeitarbeitskräften zur Überbrückung? Ein passender „Generationenmix“ in Form einer gut verteilten Alterskurve im Unternehmen sollte zudem dazu beitragen können, entstehende Lücken möglichst intern zu schliessen.
  • Präsenz für Meetings und Kommunikation mit den Kollegen – in Zeiten von iPad und Cloud sollte dies kein Problem mehr stellen. Mit Tools zum Wissensmanagement und Chat unter den Kollegen haben wir gute Erfahrungen sammeln können. Bei Interesse sprechen Sie uns an.

Haben Sie Erfahrungen oder Tipps, die Sie mit uns teilen möchten?
Die Kommentarfunktion ist aktiviert, wir freuen uns über Ihre Beiträge.

 

 

 

Artikelfoto: Lora Leathco, via pixabay

Kommentar erstellen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *