HR BarCamp 2015 – ein Rückblick 1


#hrbc15 - Kommunikationspause

HR BarCamp, 26. & 27.2 2015, Berlin

Letzte Woche am Donnerstag und Freitag fand das HR BarCamp in der vierten Auflage statt. Mal mit rund 20 Teilnehmern gestartet waren heuer 160 Personaler aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz dabei. Wer die einschlägigen Foren in den letzten Wochen verfolgt hat weiß, dass gerne noch mehr HR-Spezialisten gekommen wären. Doch ist der Raum (im wunderbaren Hotel Ellington) begrenzt und auch für ein gutes Arbeiten in einer übersichtlichen Zahl an Sessions scheint das gesetzte Limit Sinn zu machen.

Im Januar hatte ich dieses Jahr eines der raren Tickets ergattern können, seitdem war die Vorfreude groß. Und ich wurde wahrhaft nicht enttäuscht.
Sicherlich auch basierend auf der Erfahrung der vorangegangenen Barcamps war die Veranstaltung super organisiert – ein großes Dankeschön an die Organisatoren Christoph Athanas und Jannis Tsalikis, die unzähligen & superfreundlichen Helfer sowie das flinke Hotelpersonal.

#hrbc15 - Christoph AthanasDoch genug der Einleitung, nun zu den Themen.

Rund 35 Sessions wurden angeboten, gemeinsam wurden 24 Themen ausgewählt – ein spannender Mix vor allem rund um das offenbar diesjährige Hauptthema „Candidate Experience“.

In einigen Branchen und ersten Regionen hat sich der Arbeitsmarkt bereits in einen Bewerbermarkt gewandelt – mit welchen Strategien und Methoden kann hier erfolgreiches Recruiting, Employer Branding und Talentmanagement betrieben werden?
Über vier Räume wurden Sessions und Themen verteilt, zumindest aus meinen Interessen heraus gab es kaum zeitlichen Kollisionen.



Eine Auswahl der Sessiontitel:

  • Stellenanzeigen abschaffen?#hrbc2015 - Sessionplnaung
  • Wer braucht noch Arbeitgeberportale
  • Anforderungen in Stellenanzeigen
  • Online-Suchvarianten ausserhalb der Stellenbörse
  • Assessment im Gaming-Bereich
  • Wie bewerte ich Erfolg im Recruiting
  • Roboter Recruiter
  • Candidate Experience – wie finden wir garantiert keine neuen Mitarbeiter(innen)
  • Selbsthilfegruppe XING
  • Innovationen im Recruiting
  • Matching, Matching, Matching

 

Und die Gruppenergebnisse?

Einen Teil der Diskussionen und Ergebnisse möchte ich hier für alle diejenigen wiedergeben, die nicht dabei sein konnten.

Session: Stellenanzeigen abschaffen

Zappos hat vor zwei Jahren groß verkündet, dass man keine Anzeigen mehr schalten wolle. Ersetzt wurden die Inhalte der Karriereseiten durch eine Vorstellung der Mitarbeiter und die Möglichkeit, diese direkt zum Aufgabenbereich, Arbeitsklima usw. befragen zu können. Netter Ansatz, doch für die registrierten Bewerber gibt es letztendlich doch wieder Stellenanzeigen, auf die sie hingewiesen werden, wenn HR sie für eine offene Position geeignet hält. Nach diesem Einstieg ging es in der Diskussion darum, wie man aktuell am besten an die 50% Kandidaten kommt, die nicht über eigene Netzwerke gefunden werden. Stepstone scheint tatsächlich noch für viele Personaler das Mittel der Wahl zu sein. Was für einen Konzern oder eine bekannte Marke vielleicht noch funktionieren mag, sicher aber nicht für viele (unbekannte) KMUs. Der Konsens war final doch, dass Stellenanzeigen sehr wohl Ihre Berechtigung haben, es jedoch graphischer Elemente, besser weniger als mehr Text und einer professionellen Texterstellung und Anzeigenverteilung bedarf. Klar wurde auch, dass stets ein hoher Einbeziehungsgrad der Fachabteilungen mehr als sinnvoll ist.

Session: Bo#hrbc15 - content, suspence, insurancering is the new sexy

Vier Mitarbeiter der HR-Abteilungen von durchaus nicht unbekannten Versicherungen gaben Einblicke in die Herausforderungen der Personalbeschaffung und Interessentenansprache wenn der (Sachbearbeiter-)Job, den man anbietet, nun mal schlicht und ergreifend ein eher langweiliger ist. Die präsentierten Lösungsansätze bestehen u.a. aus einer Analyse aller Touch-Points von Kunden & Bewerbern, um ein allen Bereichen stets dieselbe Botschaft zu senden. Ferner kümmert sich ein dediziertes Content-Team um (SEO-)relevante Inhalte, zu deren Schaffung auch die Fachabteilungen aktiv einbezogen werden. Ziel ist die Schaffung von uniquem und authentischen Inhalt, der letztendlich doch den abwechslungsreichen Arbeitsalltag verbunden mit der Jobsicherheit transportieren soll.


Session: Online Advertising

In dieser sehr gut besuchten Stunde ging es um gangbare Wege zur Personalgewinnung, die außerhalb der Online-Stellenbörsen genommen werden können. Nach einer kurzen Einführung zur Talent-Akquisition bei Volkswagen (im Grunde genommen eine große Datenbank mit einheitlichen Kriterien, die auch in den Anzeigen der Fachabteilungen zum Einsatz kommen sollen, die für Bewerber verständlich aussagen, welches Erfahrungslevel je Kriterium benötigt wird. Ziel ist letztendlich dass man sich im Rahmen einer Art „Self-Assessment“ selber beurteilen kann, um automatisch matchen zu können.) stellten verschiedene Session-Teilnehmer ihre Ansätze und Erfahrungen vor. Ausgehend von der berechtigten Feststellung, dass man „früher“ eher auch gelegentlich als Nicht-Suchender mit Stellenageboten in Kontakt kam, Stellenbörsen jedoch eher von aktiv Suchenden frequentiert werden, also die Frage: wie erreiche ich die passiven Interessenten? Von Adwords-, Facebook und Display-Anzeigen über Retargeting, Twitter, YouTube und Unternehmens-Apps war so ziemlich wirklich alles dabei, was man sich vorstellen kann. Interessant auch die Frage, wo und wann man potentielle Bewerber mit Stellenanzeigen „belästigen“ darf. Beim Online-Shopping? In einer Partnerbörse? Abends in der TV-Programm-App? Hier konnte kein Konsens erzielt werden.

Session: Bewerber erfolgreich vergraulen#hrbc15  - Sessioneinführung

Es war ein großer Spass mal aus Kandidatensicht, eigenen Erfahrungen und dem Wissen, was im eigenen Unternehmen nicht immer rundläuft zusammenzutragen, was wirklich alles nicht passieren sollte. Angefangen von fehlenden Rückmeldungen, unvorbereitet in Interviews gehen oder dem Unterbrechen von Interviews durch Telefonate bis hin zu schlecht vorbereitetem Onboarding wurden reichlich Beispiele dafür gefunden, wie es eben nicht laufen darf. Darauf aufbauend wurde die ideale Candidate Experience diskutiert, zu der eigentlich auch gehören sollte, den „2.-5. Platzierten“, die momentan eben nicht eingestellt werden können, da es nur eine freie Stelle gibt, nicht plump abzusagen (den der Kontakt ist ja schon gemacht/bezahlt), sondern auf einen Talent-Pool zu verweisen, aus dem heraus Kontakt gehalten und bei nächster Gelegenheit von selbst eine passende Position vom Unternehmen vorgeschlagen wird (auch die RecruitingHelden bieten hierzu übrigens eine kostengünstige Lösung an).

#hrbe15 Fight-Night Gaedt-vs-Proehm

 

Abendveranstaltung

Nicht unerwähnt bleiben darf auch die kongeniale Abendveranstaltung am Donnerstag: die HR Fight Night. Zwei in der Szene wohlbekannte Autoren und Referenten lieferten sich einen unterhaltsamen und doch erkenntnisreichen Schlagabtausch zum Thema „Herrscht überhaupt Fachkräftemangel“. Gewonnen hat das Lager „ja, gibt es“. Wenn es interessiert: mindestens ein Video dazu findet sich auf Vimeo.

 

Mein Fazit?

Die beiden Tage waren ein echter Austausch auf Augenhöhe mit HR-Verantwortlichen aus Konzernen, Mittelstand und Startups. Und auch die Diskussion mit Bloggern und beratenden Kolleginnen und Kollegen kam nicht zu kurz. Sicherlich haben eher die innovativeren Verantwortungsträger teilgenommen, doch zeigt sich klar, dass auch die RecruitingHelden auf dem richtigen Weg sind und die mit den gewählten Ansätzen für viele Branchen und Unternehmensgrössen innovative Lösungen anbieten.

Ich freue mich auf das nächste HR BarCamp in Berlin 2016 (im September soll es übrigens eines in Wien geben), noch mehr interessante Gespräche und dann hoffentlich auch eine Session von mir, zeitversetze Video-Interviews könnten dann zum Beispiel deutlich relevanter geworden sein.

#hrbc15 - Session-Bewerber#hrbc2015 - Plenum

 

Und weil sharing = caring ist: eine Zusammenfassung der Sessionergebnisse findet sich hier auf den #hrbc15 tumbler-Seiten.
Falls jemand direkten Input von mir haben möchte: bitte einfach melden!

Ihr
Stefan Levko


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Ein Gedanke zu “HR BarCamp 2015 – ein Rückblick

  • Johannes

    Hallo Stefan,

    danke für deinen tollen Rückblick des Events.
    Fand es auch interessant über den Tellerrand hinaus einmal zu diskutieren, was in naher Zukunft möglich ist und wäre.

    Viele Grüße aus Berlin,
    Johannes