Glassdoor – und nun?


Seit heute bekannt: das Job- und Arbeitgeber-Bewertungsportal „Glassdoor“ kommt nach Deutschland.
Was bedeutet das für Personaler und Unternehmen per se?

Das amerikanische Start-up sammelt von registrierten Nutzern Informationen, Gehaltslisten und Bewertungen zu Unternehmen weltweit.

Das Prinzip ist von kununu her in Teilen bereits bekannt: Arbeitsklima, Umgang mit Führungskräften, Goodies … das von XING aufgekaufte österreichische Unternehmen ist fester Bestandteil der „company pages“ bei XING geworden, zugleich ein Stellenanzeigenportal und wird von Firmen, die den Mehrwert von kununu verstanden haben, durchaus erfolgreich im Employer Branding genutzt.
Meiner eigenen Erfahrung aus zahlreichen Gesprächen mit HR-Abteilungen der letzten Jahre haben offenbart, dass diese „Dienstleistung“ bei weitem nicht genug bekannt ist. Als Teil meiner Beratung gehe ich immer darauf ein und zeige auch auf, welchen Stellenwert Beurteilungen aktueller Mitarbeiter haben können. Ein Posting zu einem Arbeitgeber ist nach einer Registrierung übrigens ganz leicht, man muss das Unternehmen nicht mal in seinem XING Lebenslauf haben. Glasford International darf sich somit über eine positive Bewertung freuen … 😉

glassdoor_gehalt_siemensWas macht Glassdoor also nun anders?
Wer sich anmeldet, findet Informationen, Gehaltslisten und Bewertungen zu rund 6.500 deutschen Unternehmen von Siemens über Deutsche Bank bis Adidas, basierend auf rund 30.000 Datensätzen, die tausende Mitarbeiter offenbar bereits größtenteils auf Deutsch auf der US-Seite eingegeben haben. Zudem angeblich rund 500.000 offene Stellen im Stellenmarkt.
Richtig gelesen: Gehaltslisten! Die Antwort auf die Frage „was verdienen mein Kollegen im Team und was zahlt der Wettbewerb in meiner Region?“ soll sich zukünftig in diesem Portal finden. Ob das mit den Regelungen in üblichen deutschen Arbeitsverträgen“ (… ist Stillschweigen zu bewahren …) konform geht? Nachzuweisen wäre es jedenfalls nicht, denn alle Bewertungen sind anonym.
Im Zuge der Registrierung kann man einen Arbeitgeber (aktuell oder früher bis 2011) bewerten (mindestens 20 Wörter pro UND contra), kann seinen Lebenslauf hochladen, sowie ein Statement ans Management und zur erwarteten Entwicklung der nächsten sechs Monate abgeben.
Zum Unternehmen, dass ich bewerten wollte kam dann die Meldung „Please enter your employer name“. Da habe ich diesen Schritt übersprungen, ebenso den mit der Abfrage von Gehaltsdaten.

Ansonsten?
Hier gibt es viel zu lesen, entsprechend der bei der Anmeldung abgefragten Information, aufgeteilt nach Berufsgruppen, Branchen oder Regionen. Alles beschrieben aus der persönlichen Sicht von Mitarbeitern, Ex-Mitarbeitern oder Nicht-Mitarbeitern. Denn Tausende stellen auch nur ihre Bewerbungsgespräche auf die Seite und dokumentieren die Fragen, die ihnen gestellt wurden. Das hilft wiederum Interessenten, sich vorzubereiten. Wie sich gerade der letzte Punkt in Deutschland entwickelt erwarte ich mit Spannung.

Und die Stellenanzeigen?
„Our job postings cost half as much as LinkedIn’s, for the same type of audience“ steht da frech. Ich habe mal die Kriterien Software Entwickler – München – Siemens eingegeben, das Angebot für eine 30-tägige Schaltung war bei 99 USD. Allerdings hiess es auch: “ We don’t reach many people in Germany“.
Wer bei einer Suche nach Jobs in München bereits vertreten ist?
Unter anderem SugarCRM, Zendesk, Stylight, VMWare und einige mehr.

Wie stellt Glassdoor sicher, dass die Angaben auch authentisch sind?
In einem Interview im Handelsblatt wird der Gründer zitiert: „Wir moderieren alle Einträge, sowohl manuell als auch automatisch“, verrät Hohman, „wir finden Schummler.“ Unternehmen können zum Beispiel Einträge markieren und um erneute Durchsicht bitten, aber nur im Hinblick auf Verletzungen der internen Richtlinien. „Es ist verboten, Namen unterhalb der Vorstandsebene zu nennen“, nennt der Vorstandschef als Beispiel. „‘Kollege XY ist unfähig‘, das geht nicht.“

„Das Geschäftsmodell konzentriert sich auf die Vermittlung der richtigen Kandidaten für die richtigen Jobs. Von der schonungslosen Offenheit bei der Auswahl profitieren auch Unternehmen“, ist Hohman sicher. „Fehleinstellungen sind extrem teuer“, weiß er und er wolle helfen das zu verhindern. Unter anderem damit, dass der Bewerber weiß, auf was er sich einzurichten hat. Bislang nennt Glassdoor 27 Millionen Mitglieder und kommt auf 345.000 Unternehmens-Profile. Somit werde ich in meiner eigenen Beratung nicht umhin kommen, die Seite zu nutzen und für meine Kunden auch deren Einträge anzulegen und/ oder zu monitoren.

Und wie man am dem Badge sehen kann, kommt wohl auch ein weiteres Arbeitgeber-Gütesiegel auf den Markt. Mich erinntert das ja sehr an Tripadvisor …BPTW-Winners-Badge

Und übrigens:
Nach Angaben von Hohman kommen mittlerweile bereits 50 Prozent der Zugriffe über das mobile Internet. Sind Ihre eigenen Karriere-/ Job-Webseiten eigentlich inzwischen responsiv?

Ich freue mich über Ihre Gedanken zum Themenbereich „gläserner Arbeitgeber“.

Ihr
Stefan Levko

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